Gute Musik. Großartige Musik. Emotionale Komposition. Krasser Track.
Jedes mal wenn man selbst oder jemand anderes beginnt, über Musik zu schwärmen, baut man wie bei so vielem ein Manifest vor seinem Gesprächspartner auf. Das finde Ich gut. Oder viel öfter: "Das ist ein Hammergeiler Song!"
Und bei jedem mal sollte man sich bewusst sein, auf welch dünnem Eis man sich mit solchen Aussagen bewegt, obwohl es in so vielen Belangen nur allzu menschlich ist.
Man glaubt zu wissen, was richtig sei, was gut sei und übersieht dabei, dass es im Großen und Ganzen nur man selbst ist, der diese spezifische Meinung über Dinge des Lebens hat, welche genauso komplex ist wie unser Genom.
Menschen flüchten sich deshalb in die Künste oder die Selbstertüchtigung. Entweder man ist kreativ in Malerei, Musik oder beim Schreiben; man spielt voller Passion Handball oder stürzt sich beim Downhill mit dem Fahrrad die waghalsigsten Klippen hinunter.
Mit der Einsicht, dass Menschen verschiedene Hobbys haben hab ich sicher keinen großen, geistreichen Gedanken gefasst. Aber darum ging es bisher ja nicht.
Wenn ich mich selbst betrachte sehe ich einen jungen Mann, der eigentlich den ganzen Tag nur mit Kopfhörern rumläuft und dabei seine viel zu kleine Musiksammlung durchhört und sich wieder und wieder Gedanken über Songs macht.
Und einen jungen Mann, der diese Gedanken in kreativer Weise versucht umzusetzen. In meiner Band Gembala als Schlagzeuger, oder auch mit selbst geschriebenen Songs (von denen ich vielleicht mal was posten werde).
Um wieder zurückzukommen: Jeder Mensch versucht sich doch die Welt ein Stück
weit auszublenden. Mit der Welt ist natürlich das als anstrengend und verschwenderisch angesehene Kapitalistische und Demokratische System gemeint in dem man in Schulen zum kleinen Arbeiter für den Markt ausgebildet wird, anstatt dass der persönliche Geist gefördert wird und der sein Leben abschuften muss bis er sich eine kleine Belohnung am Lebensabend gönnen kann - und dabei auch nicht frei und glücklich ist.
Überspitzte Darstellung wäre noch ein sehr harmloser Begriff für diese in einen zu langen Satz gequetsche Weltansicht, aber aufs gröbste reduziert und mit einer post-pubertären Prise Melancholie gewürzt ist es doch zumindest nachvollziehbar.
Meine Flucht aus dieser "Welt" ist die Musik. Denn sie hat absolut nichts mit der Außenwelt zu tun. Sie ist immanent. Sie ist wie das geschriebene Wort eine Ausdrucksweise von Emotionen.
Ein Gitarrensolo von John Frusciante, das vielleicht 30 Sekunden lang ist, kann in der gleichen Zeit so unglaublich viel mehr ausdrücken, als man in der selben Zeit mit Worten auszusagen vermag.
Musik ist vielleicht ein unschärferer Weg, aber dabei automatisch (solange sich der Musikhörende auch wirklich damit versucht auseinanderzusetzen) weit persönlicher. Eben deswegen, weil Musik keine Worte braucht, die in anderen Sprachen vielleicht andere Bedeutungen haben.
Es lassen sich nur viel schwieriger und ungenauer persönliche Emotionen - seien es (besonders!) Euphorie, Melancholie, Wut oder Häme - in irgendeine Sprache übersetzen, als das man sich in einem glücklichen Moment einfach an seine Gitarre setzt und ein Riff improvisiert, das automatisch genau nach dem Klingt, was aus dir rauskommt. Ohne Worte. Worte sind zu nah, zu präzise und dabei doch zu weit weg von dem, was man sagen möchte.
Dispatch - Even
Diesen Song möchte ich ganz gerne an meine ersten Leser weitergeben. Dispatch machen mit so einfachen Mitteln so vielschichtige und durch und durch harmonisch und lyrisch interessante Musik. Ein Satz der grammatikalisch nicht richtig ist drückt eben besser aus, was denn alles in dieser Musik steckt.
In diesem Sinne...
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